Fragen und Zeit für Zeugnisse

Liebe Reisefreunde,

 

wir sind toll und werden beneidet. So vermitteln es unsere Politiker, die Medien verbreiten es gerne und wir glauben es, auch gerne.

Ich weiß, dass es anders ist, anders z.B. in Asien, genauer im fernen Osten.

21 Millionen haben sich weltweit bis heute infiziert, 8 Millionen sind es aktuell. 25% davon in den USA. 11% in Brasilien und 7% in Russland.

Interessant ist die Relation zur Einwohnerzahl (Spitzenreiter sind Länder am Golf und in Südamerika):

USA 16.495 Infizierte pro 1 Millionen Ew

Brasilien 18.597

Spanien 7.624

Großbritannien 4.805

Italien 4.220

Frankreich 3.258

Deutschland 2.706

aber

Hongkong 608

Japan 450

Korea (Süd) 304

China 61

Thailand 51

Taiwan 21

Kambodscha 18

Vietnam 10

Myanmar 7

Laos 3

Wir sind also gar nicht so toll. Heute kommentierte in der FAZ Patrick Welter dies am Beispiel Japan. (Anlage) Ich war Weihnachten 2019 dort und ja, gefühlt 50% der Menschen trugen in der Öffentlichkeit schon vor Corona aus Rücksicht auf Andere eine Maske. Wir jammern, weil Kinder und Jugendliche dies (teilweise) in der Schule tun müssen, wie unangenehm, und dies im Sommer. Niemals las ich irgendwelche Artikel oder sah Sondersendungen, die sich damit beschäftigten, dass sich die Kinder durch stundenlanges stieren auf Minimonitore die Augen verderben oder unangenehmes feeling hätten, weil ihre Ohren durch Stöpsel belastet werden, die über Funk sicher anregende Musik einflößen. HNO Fachleute werden wissen, ob dies die Gesundheit fördert.

Natürlich hat man in allen Ländern des Fernen Ostens die Pandemie besser im Griff. Dies zu erklären ist simpel für jene, die je dort unterwegs waren. Es ist eine andere Kultur (Lebenseinstellung) und da kratzt Patrick Welter nur an der Oberfläche.

Was haben wir im März 2020 richtig gemacht? Wir haben bei der Abwägung Leben oder Wirtschaft für das Leben entschieden.

Was haben wir zuvor falsch gemacht? Wir haben die Nachrichten aus Fernost nicht ernst genommen, uns nicht auf Covid-19 vorbereitet.

Was haben wir ab April falsch gemacht? Lockerungen ohne Plan und beim Abwägen Leben oder Datenschutz uns für den Datenschutz entschieden.

Das alles läuft in den o.a. asiatischen Ländern anders. Niemand feiert dort Corona Parties oder macht sich über den Staat lustig. Das wichtigste aber ist die Ausnutzung von Wissenschaft & Technik.

Bei uns erweist sich die "Corona App" als Flop, wenn das auch niemand so sagen will (Anlage 2). Aber wer erst mitteilt, dass wenigstens 60% der Bevölkerung sich beteiligen müssten und dann über 20% jubelt, wer nicht weiß oder nicht mitteilt, wie viele nutzen die App (heruntergeladen haben sie ca 16 Millionen, funktionieren tun sie aber nur, wenn sie auch aktiv sind) und, weit wichtiger, wer von den täglich ca 1500 Infizierten gibt seine positive Infektion denn in dieser App ein, teilt also aktiv mit "Ich bin positiv". Nur dann erfahren es nämlich Dritte. Diese sinnentleerte Konstruktion führt ins NICHTS. Die händischen Eingaben von Daten bei den Massentests an bayrischen Autobahnen outen den Wahnsinn, aber niemand wagt es zuzugebn. Vergleichen wir: Wuhan, diese 10 Mio Stadt in China wurde im Januar für 10 Wochen total abgesperrt. Neue Einzelfälle und Angst im Mai ließen die Stadt dann vom 14.5. bis 1.6. in 19 Tagen 9.899.828 Einwohner testen! Hätte man dies händisch erfasst, würde bis heute kein Ergebnis vorliegen, außer zahlloser Selbstmordversuche von betroffenen Schreiberlingen. Wuhan entdeckte 300 asymptomatische Fälle, verfolgte 1174 enge Kontakte und fand keine weiteren positiven Covid-19 Fälle.

Dieses Foto (AFP) "entsetzte" den MERKUR!

In China wirken alle Maßnahmen abgestimmt aufeinander. Maskentragen, Abstand halten, Testen und jede/r ist über eine Corona App für die Gesundheitsbehörden erreichbar. Wie eine Ampel funktioniert die Information: Zeigt meine App grün, ist alles offen, zeigt sie Gelb, habe ich (auch zufälligen) Kontakt mit einem Infizierten gehabt und soll ich mich testen lassen, um auf Grün zurück zu gehen, zeigt sie Rot, muss ich zum Test und ist der positiv, in Quarantäne oder auch ins Krankenhaus. So wird dann möglich, was das Foto aus Wuhan von gestern zeigt. Alle, das gilt nicht nur für Wuhan, die z.B. ein öffentliches Bad besuchen wollen, müssen sich am Eingang zum Ticket mit einer grünen App auf ihrem Mobiltelefon ausweisen. Niemand in diesem Bad ist VIELLEICHT infiziert. Das irritiert uns. Man muss das auch nicht gut finden, aber im TV wurde gerade eine Hightech Firma in Deutschland vorgestellt, Mitarbeiter können das Firmengelände nur nach Scanen ihres Firmenausweis betreten. Diese deutsche Firma hat die Firmenausweise aller Mitarbeiter, wenn sie in Urlaub fuhren, gesperrt. Wenn sie aus dem Urlaub zurückkehrten musste ein negatives Testergebnis vorgelegt werden ehe der Zugang ins Firmengelände wieder freigeschaltet wurde. Unser Staat legt in Restaurants lieber Formulare aus, die die Gäste selbst ausfüllen, die das Personal nicht überprüfen, sondern nur abheften darf. Im Notfall telefonieren Gesundheitsämter  herum, um festzustellen, ob ich die Quarantäne einhalte und auch hier gibt es heftige Strafen, wer Quarantäne Auflagen verletzt. Der Staat behauptet, er setzt auf Das Verständnis der Bürger, diese aber setzen nicht selten und mit Erfolg darauf, dass der Staat weder Mittel noch Personal hat, seine Auflagen zu kontrollieren. In China kontrolliert dies die Corona App. So werden wir nicht lernen, mit der Pandemie zu leben. Statt unsere Freiheiten zu verteidigen, schränken wir sie letztlich mehr ein als jene, die davon weniger haben. Und so werden auch Reisen nicht wieder uneingeschränkt möglich werden. Hätten wir umfassende Tests und ein funktionierendes Kontroll- und Informationssystem über eine App, könnten wir unbedenklich ins Flugzeug steigen. Jede/r an Bord wüsste, dass alle negativ sind und sobald wir wieder zuhause landen, erfahren wir über diese App umgehend, falls wir doch zufällig (natürlich anonym) jemandem begegnet sind und schützen uns und andere.

Hygiene ist ein sehr populäres Stichwort im Kampf gegen die Verbreitung des Virus. Es gibt überall auf der Welt höchst interessante, kurzweilige und didaktisch sehr attraktive Museen, die sich mit der Geschichte der Hygiene, mit Körperkultur beschäftigen. Aufschlussreich. Und ein Besuch macht klar, wie sehr wir unsere Lebensweisen in den Jahrhunderten vor uns angepasst haben. Selbst heute lassen sich dank der Reisen noch Vergleiche im Alltag ziehen. Viele Menschen essen noch mit Händen. Dort, wo es keine Toilettenspülung oder Klopapier gibt weiß jedes Kind, mit welcher Hand was zu tun ist, wird niemals diese beiden Funktionen verwechseln. Es gibt Kulturen, wo das Händeschütteln verpönt ist und nicht wenige, wo das Wasser so rar ist, dass es zum Waschen nicht zuerst gebraucht wird. Vielleicht zwingt uns die Pandemie Änderungen im Alltag auf, vielleicht werden wir schon bald diese gar nicht mehr wahrnehmen. Oder es kommt die Überraschung in Form eines Impfstoffes. Wie es um den bestellt ist zeigt mein letzter Anhang, allerdings darf daraus keineswegs geschlossen werden, es sei bald so weit. Der Wettlauf zeigt nur den Stand des Rennens, aber nicht wo das Ziel zu sehen ist. 

Wollen wir die Angst vor dem Virus verlieren, so müssen wir es schaffen, es zu bändigen oder zu beseitigen. Wir haben vergessen, dass gegen SARS auch kein Impfstoff gefunden wurde. Dieses Virus wurde an seiner Verbreitung gehindert, außer in einer kanadischen Stadt war es aber nur auf den Fernen Osten Asiens beschränkt. Begonnen hatte es im November 2002. Im Juli 2003 erklärte die WHO die Ausbreitung als beendet, noch im April war unsere letzte Reisegruppe unterwegs durch China, ehe das Land sich abschloss und schon 2004 war alles wieder vergessen. Alles wird gut.  

Bleiben Sie gesund

Klaus Ludwig